Die Historie der Siegburger Keramik

Die Töpferei spielte in Siegburg früh eine wichtige Rolle. Bereits Ende des 10./Anfang des 11. Jahrhunderts gab es im heutigen Stadtteil Kaldauen erste Werkstätten, die für ihr Handwerk den feinen Ton der Siegburger Umgebung nutzten. Später verlagerte sich der Schwerpunkt der Keramikproduktion vor die Tore der jungen Stadt Siegburg (innerhalb der Stadt durften sich die Töpfer auf Grund des hohen Brandrisikos nicht niederlassen) in die heutige Aulgasse. Der Straßenname ("Euler" = Töpfer) weist auf diese historische Nutzung hin.

Der Handel mit den hier produzierten Tonwaren lag fest in der Hand Kölner Kaufleute, die als Mitglieder der Hanse die Siegburger Ware nach ganz Mittel- und Nordeuropa exportierten. Vom 13. bis ins 17. Jahrhundert dauerte die Blütezeit der Siegburger Töpfereien. Während zunächst Massenware für den alltäglichen Gebrauch produziert wurde, wurde in der Renaissance auch hochwertige Keramik hergestellt, die den Weg in viele europäische Fürstenhäuser fand. Siegburger Keramik findet sich heute in kulturhistorischen Museen überall in Europa.

Der durch den Keramikhandel entstandene Wohlstand der Stadt drückte sich in einem großzügigen Umbau des Rathauses aus. Es befand sich dort, wo heute das Stadtmuseum steht. In dessen Kellern ist das Mauerwerk des Vorgängerbaus noch zu besichtigen, im 1. Stock eine große Sammlung Siegburger Keramik.

Nach den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs verließ ein großer Teil der Siegburg Töpfer die Stadt. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Viele siedelten sich im Kannebäcker Land im Westerwald an und befruchteten die dortige Keramiktradition, während das Töpferhandwerk in Siegburg stark an Bedeutung verlor.

Nachdem die Siegburger Töpferei 2017 aus Altersgründen geschlossen wurde, gibt es mit dem Keramikatelier Hasenberg in der Stadt noch eine Werkstatt, die die Tradition der Siegburger Keramik fortführt.